Die Ero­sion der linken Moraldominanz

Ein Kom­men­tar von unse­rem fran­zö­si­schen Gast­au­tor Éti­enne C. Dupont.

Die Wurzel des Links-Rechts-Dualismus

Woher kommen eigent­lich die ideo­lo­gi­schen Grund­la­gen von “links” und “rechts” in der Poli­tik? Ent­stan­den sind sie wäh­rend der Fran­zö­si­schen Revo­lu­tion. Die Linken waren die “Uni­ver­sa­lis­ten”. Ihre Prä­misse: Jeder Mensch ist gleich und des­halb gleich viel wert. Die Rech­ten hin­ge­gen waren als “Anti-Uni­ver­sa­lis­ten” der Über­zeu­gung, dass nicht alle Men­schen gleich seien. Und des­halb sollte den ein­zel­nen Grup­pen auch eine unter­schied­lich hohe Wer­tig­keit und damit auch unter­schied­li­che Pri­vi­le­gien zuteil werden. Diese Ein­stel­lung wird auch als Chau­vi­nis­mus bezeich­net. Die Prä­misse der Linken ist natür­lich inso­fern falsch, dass eben nicht alle Men­schen gleich sind. Nichts­des­to­trotz hatten sie mit der For­de­rung nach Gleich­wer­tig­keit recht und somit einen mora­li­schen Vor­sprung gegen­über den Rechten.

Trau­rige Höhe­punkte des rech­ten Chauvinismus

Der Chau­vi­nis­mus der Rech­ten gip­felte, in der ersten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts, in einem aggres­si­ven Ras­sis­mus. Dieser wie­derum fand seinen Höhe­punkt im Ver­nich­tungs­krieg, der selbst­er­nann­ten deut­schen “Her­ren­rasse”, gegen die bol­sche­wis­ti­schen “Unter­men­schen” Russ­lands (Nazi-Lingo), der indus­tri­el­len Ver­nich­tung der Juden und ande­rem, in den Augen der Nazis, “unwer­ten Lebens”. Jeg­li­che mora­li­sche Rest­au­to­ri­tät, die der rechte Chau­vi­nis­mus gehabt haben mochte, wurde damit ein für alle mal pulverisiert.

Der neue linke Chauvisnismus

Inter­es­san­ter­weise fand in den letz­ten Jahr­zehn­ten eine Ver­än­de­rung  statt. Die Linken ent­wi­ckel­ten einen aus­ge­präg­ten Chau­vi­nis­mus gegen­über dem “Weißen Mann”, den sie als Wurzel allen Übels in der Welt betrach­ten. Kolo­nia­lis­mus, zur Unter­drü­ckung der ini­d­ge­nen, nicht­wei­ßen Völker der Welt, das Patri­ar­chat, zur Unter­drü­ckung der Frau und eben die Ver­bre­chen des Holo­causts. Das alles legi­ti­miert in den Augen der Linken ihren Ras­sis­mus gegen­über den Weißen. Doch damit bege­ben sie sich auf dünnes Eis.

Die Nou­velle Droite

Par­al­lel zum Marsch auf die Insti­tu­tio­nen der Linken und deren spä­te­rer Ver­schmel­zung mit dem neo­li­be­ra­len Main­stream, ent­wi­ckelte sich, zuerst in Frank­reich, eine neue rechte Denk­schule. In Aner­ken­nung der feh­len­den mora­li­schen Auto­ri­tät des alten rech­ten Gedan­ken­guts, ent­stand dort die soge­nannte “Nou­velle Droite” – die Neue Rechte. Als Gegen­be­we­gung zu den immer radi­ka­le­ren Linken der 68er, ent­wi­ckelte sich um den Phi­lo­so­phen und Publi­zis­ten Alain de Benoist,  die soge­nannte  “Grou­pe­ment de recher­che et d’études pour la civi­li­sa­tion euro­péenne” (GRECE – zu deutsch etwa “Recher­che- und Stu­di­en­gruppe für die euro­päi­sche Kultur”). Die GRECE kon­zen­trierte sich nicht auf poli­ti­sche Aktion, son­dern laut de Benoist auf intel­lek­tu­elle, phi­lo­so­phi­sche und theo­re­ti­sche Reflexion.

Eth­nop­lu­ra­lis­mus statt Rassismus

Im Ein­klang mit der Rea­li­tät der Natur wird wei­ter­hin auf der Unter­schei­dung zwi­schen ver­schie­de­nen Eth­nien bestan­den. Ein Schwar­zer ist nun mal kein Weißer – beide haben unter­schied­li­che Stär­ken und Schwä­chen, jen­seits der Sozia­li­sa­tion. Kein ernst­zu­neh­men­der Wis­sen­schaft­ler wird das bestrei­ten (Genauso ist eine Frau kein Mann – aber das ist ein anders Thema). Im Unter­schied zu den “Alten Rech­ten” wird jedoch von der Nou­velle Droite die Gleich­wer­tig­keit aller Men­schen und aller Völker betont. Unter der Bezeich­nung “Eth­nop­lu­ra­lis­mus” werden die Erkennt­nisse der Nou­velle Droite heute zusam­men­ge­fasst. Jedem Volk wird seine ein­zig­ar­tige, schüt­zens­werte Iden­ti­tät zuer­kannt. Sie beja­hen den indi­vi­du­el­len Cha­rak­ter jeder Ethnie. Dieser bringt sich in spe­zi­el­len Tra­di­tio­nen, Lebens­wei­sen und einer uni­ka­len Kultur zum Aus­druck. Der ganz­heit­li­che Ansatz geht davon aus, dass die Gesamt­heit aller Men­schen, Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, Tra­di­tio­nen, dem Land und der Kultur einer Ethnie, mehr ist, als die Summe ihrer Ein­zel­teile. Diese Gesamt­heits­lehre bezeich­net man auch als Holis­mus. Schon Platon und Aris­to­te­les, aber auch spä­tere Phi­lo­so­phen, wie Hegel oder Nova­lis, waren Ver­tre­ter einer holis­ti­schen Weltanschauung.

Die Ero­sion der linken Moral

Inzwi­schen wird klar, dass die Linken lang­sam ihre mora­li­sche Auto­ri­tät ver­spie­len. In ihrem Hass auf den Weißen Mann schre­cken sie nicht zurück vor Gewalt, auch gegen völlig fried­li­che Men­schen. Und das nur, weil die nicht ihrer Mei­nung sind. Die Linken haben sich, unter dem Banner des Uni­ver­sa­lis­mus, vom Neo­li­be­ra­lis­mus instru­men­ta­li­sie­ren lassen. Anstatt sich kon­struk­tiv für die Rechte der Arbei­ter zu ein­zu­set­zen, kämp­fen sie jetzt für die Ziele des Neo­li­be­ra­lis­mus: Open-Bor­ders, Gender und Femi­nis­mus, alle drei Punkte eine ras­sis­ti­sche Kriegs­er­klä­rung an den Weißen Mann. Die weißen Eth­nien sollen ent­wur­zelt und ihre Iden­ti­tät zer­schla­gen werden. Alles im Auf­trag des Neo­li­be­ra­lis­mus zur Schaf­fung gesichts- und geschlechts­lo­ser Arbeits­droh­nen, die völlig ent­wur­zelt keine gemein­same Ver­tei­di­gung gegen den unein­ge­schränk­ten tota­li­tä­ren Kapi­ta­lis­mus und seine “Eliten” mehr orga­ni­sie­ren können.
Die Linken ver­spie­len also gerade die letz­ten Reste ihrer mora­li­schen Auto­ri­tät, die wahr­schein­lich kurz nach dem zwei­ten Welt­krieg ihren Höhe­punkt hatte und seit­dem ero­diert. Die Neue Rechte hin­ge­gen hat es geschafft, sich mit dem Kon­zept des Eth­nop­lu­ra­lis­mus eine mora­lisch akzep­ta­ble Posi­tion zu erarbeiten.

Der Para­dig­men­wech­sel im 21. Jahrhundert

Der Para­dig­men­wech­sel im 21. Jahr­hun­dert wurde mit einem Don­ner­schlag in den USA ein­ge­läu­tet. Ein poli­ti­scher Außen­sei­ter wurde, trotz des media­len Trom­mel­feu­ers fast der gesam­ten linken Main­stream­presse, zum Prä­si­den­ten gewählt. Und als Ziel hat er sich die Zer­schla­gung des neo­li­be­ra­len, linken Esta­blish­ments auf die Fahnen geschrie­ben. Sein Name: Donald Trump. Trump ist nur die erste Erschüt­te­rung der neo­li­be­ra­len, glo­ba­li­sier­ten Ord­nung, die es geschafft hat, ihre einst­mals größ­ten Gegner, die Linken und die Grünen, in will­fäh­rige Instru­mente ihrer Poli­tik zu ver­wan­deln. Doch das große Erd­be­ben steht noch aus. Muß es wirk­lich soweit kommen?

Der Westen ist pola­ri­siert wie nie zuvor. Wäre es jetzt nicht mal an der Zeit, inne­zu­hal­ten? Wäre es jetzt nicht mal an der Zeit, die Ent­wick­lun­gen der letz­ten Jahr­zehnte  einer kri­ti­schen Prü­fung zu unter­zie­hen? Der kalte, kranke Neo­li­be­ra­lis­mus der 62 Men­schen so reich gemacht hat, wie die ärmere Hälfte der Welt? Ja die Rech­ten müssen sich ganz ein­deu­tig gegen Ras­sis­mus und für den glei­chen Wert aller Men­schen im Rahmen des theo­re­ti­schen Kon­zep­tes des Eth­nop­lu­ra­lis­mus beken­nen. Aber die Linken soll­ten sich an dieser Stelle über­le­gen, ob sie tat­säch­lich ein “weiter so” wollen und dieses System weiter mit Gewalt ver­tei­di­gen. Sie ver­spie­len sonst nicht nur ihre mora­li­sche Hege­mo­nie, son­dern auch noch ihre Glaubwürdigkeit.

 

Bild­mon­tage: D. Stein

 

 

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